Wenn ich die Augen ganz feste zusammenkneife, dann kann ich sie noch sehen. 1997, irgendwann im Juli. Ein junger Rostocker stürmt im Trikot des Deutschen Meisters die Pyrännäen hinnauf. Immer wieder dreht er sich um, kann es kaum fassen, dass keiner die Kraft hat, ihm zu folgen. Seitdem sind zehn Jahre vergangen. Heute wissen wir natürlich alles besser. Jan Ulrich wundert sich zwar noch immer, aber seine ehemaligen Teamkollegen helfen ihm Stück für Stück auf die Sprünge.  Den Anfang machte ein Masseur auf Belgien im April den Anfang und beschuldigte den Telekomrennstall fast ausnahmslos des systematischen Dopings. Zu Beginn schien die Vertuschungsmasche noch zu funktionieren, schien Jef d’Hont, selbst dopingbeschuldigt, kaum als Kronzeuge geeignet. Doch ab Mitte Mai gestanden mehr und mehr Radprofis, Epo genommen und jahrelang Medien, Behörden und Fans betrogen zu haben.

Politiker und Radfahrer fordern für die ausnahmslose Aufklärung des Dopingskandals eine Amnestie. Nur wenn die Radfahrer keine Strafen zu befürchten hätten, würden sie bereit sein, auszupacken. Kann das aber der richtige Weg sein? Mir, dem Radsportfan, der jedes Jahr im Hochsommer Stunden am Fernseher klebt, erzählen, dass Ulrich, Aldag, Zabel unschuldig sind? Das klingt nach dem Gewissen eines Eichmanns.
Viele haben nun um ihre Existenz und ihren Ruf zu fürchten. Die renommierte Sportmedizin der Uni Freiburg hat sich schon mal von den beiden Chefärzten getrennt. Damit dürfte der lückenlose Neuanfang schon geglückt sein. Dass die medizinische Abteilung neben dem Radsport auch über Jahrzehnte Olympiamannschaften, Fußballvereine und einzelne Athleten „betreut“ hat, wird dem Dopingskandal nur ein weiteres Kapitel hinzufügen.

Rudolf Scharping, Präsident des Deutschen Radfahrerbundes, lehnt eine solche Amnestie ab. Profisportler, wie jeder Mensch auch, haben gegenüber sich selbst und der Öffentlichkeit eine gewisse Verantwortung. Der Toursieger bekommt bei der diesjährigen Tour ein Preisgeld von etwa einer halben Million Euro, das Grüne Trikot 25.000 Euro. Jeder Sieg, jedes Festhalten vor der Kamera bringt Preisgelder und Werbeeinnahmen. T-Mobile zahlte Ulrich rund 2,5 Millionen Euro bei seinem Siegerjahr 1997, hinzu kamen 1,5 Millionen Euro Werbeeinnahmen. Und auch in den folgenden zehn Jahren ist Ulrich bestimmt alles andere als „ein armes Schwein“. Wer den Mut aufbringt, sich selbst in Lebensgefahr zu bringen, wer obwohl schon seit den 1960er Jahren Tote im Radsport keine Seltenheit, immer wieder dopt, der kann nicht mehr unschuldig sein. Jeder hat die Pflicht, sich selbst zu schützen und gerade ihr Sportler: Ihr habt die Pflicht, mir ein Vorbild zu sein.

Euer enttäuschter Fan
M.

ganz kurz:

Mai 11, 2007

Ich habe heute aus Spaß mal bei der Telekom angerufen…

…nichts…

an dieser Stelle sollte nun eigentlich eine mp3-Datei zum Anhören kommen, aber ich habe nich kapiert, wie das geht

Nachtrag: Nun, gut. Wir wissen alle, wie köstlich es sein kann, Scherzanrufe zu machen. Wisst ihr noch, damals? Nun, damals habe ich mit Freunden immer beim Sorgentelefon angerufen. ich entschuldige mich aufrecht aufrichtig. Und eben auch bei den kostenlosen Servicenummern der Telekom. Nun streiken die aber, deswegen müssen die Spaßanrufer (ich distanziere mich von ihnen) auf andere Opfer ausweichen. Ich als gläubiger Christ will und kann solche Spaßanrufe nun nicht mehr ertragen.
Seht nur wozu das führt.

Gegen jegliche Moral

Mai 6, 2007

verkünde ich jetzt mal einfach so, völlig unjournalistisch, dass Sarkozy die Wahlen in 25 Minuten deutlich mit 53% gewinnt.
Wenigstens kommt sich dann Angie nicht dumm vor. Sie darf nun nächste Woche oder so einem Mann die Hand zum Abschlabbern hinhalten.
Ich fand dennoch Segolène viel viel hübscher.

Seit zwei Tagen haben wir nun eine neue Asphaltschicht in unserem kleinen schnöden Marienbrunn im Süden Leipzigs. Toll. In der letzten Woche kam ganz überraschend ein Zettel der Baufirma: Parkverbot am 2. und 3. Mai wegen Straßenarbeiten. Es informierte die Baufirma, nicht etwa die Stadt. Und so kurzfristig wie möglich, damit sich auch keiner aufregen würde. Ich war dann natürlich der einzige, der am nächsten Morgen voll hektisch noch sein Auto wegfahren musste. Und kurz darauf kamen dann der Asphaltwagen und ein Kleinbus der Stadt und kippen den goben schwarzen Belag auf die Straße. Und dann sind sie nach einer Stunde auch schon wieder weg. Klingt eigentlich ziemlich nett von der Stadt, nicht? Hmm. Kritik? Aber ja. Die Gullideckel liegen ungefähr 20 Zentimeter unter der Aspaltdecke, das heißt, dass ich mit meinem Fahrrad jetzt durch tiefere Schlaglöcher fahre als vorher. Aber gut, die Gullideckel kann man ja anheben. Irgendwann mal. Wenn wieder zuviel Geld in der Stadtkasse ist. Was noch. Nun, in der Nachbarstraße werden zur gleichen Zeit mehrere Wohnblöcke auf etwa 800 Metern länge saniert. Und jeden Tag rasen die schweren Baufahrzeuge auch durch meine kleine schnöde Straße. Also wird der Zustand der Straße in ein paar Monaten sich nicht sehr vom vorigen unterscheiden. Naja, wenigstens ist es erstmal alles schön schwarz. Noch mehr Kritik? Aber ja. Die Wasserwerke Leipzig wollen bis 2012 alle Wasserleitungen bleifrei haben. Wieso das jetzt? Also wird die Straße in den nächsten viereinhalb Jahren nochmal aufgerissen, damit die Wasserwerke neue Rohre legen können. Aha. Nun, dann hat die Stadt anscheinend gerade sinnlos eine Straße saniert. Und ich frage mich jetzt, was das wohl gekostet hat. Hat die Stadt denn zuviel Geld? Direkt gegenüber befindet sich ein Kindergarten. Dort steht ein Klettergerüst mit dickem Absperrband drum. Warum? Die kinder dürfen also nicht auf das Klettergerüst, weil es von unten wegfault.
Ich werde nichts sagen. Die Stadt hat übrigens die Möglichkeit, binnen fünf Jahren die Kosten Straßenausbesserungsarbeiten auf die Anwohner zu überschreiben. Ich werde wahrscheinlich auch dann nichts sagen. Aber dafür habe ich eine kleine Slideshow gemacht. Bitteschön: